GPS aus Anwendersicht
Seit Ende 2004 nutze ich GPS Geräte und habe festgestellt, dass diese Technik mehr zu bieten hat, als den kartenlesenden Beifahrer zu ersetzen. Ich gebe hier einen Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten.
Navigation
Die Navigation von A nach B ist sicher die klassische Anwendung von GPS Geräten. Man gibt ein Ziel ein und eine freundliche Stimme betet einen bis zum Bestimmungsort. Ich nutze ein Garmin Streetpilot 2610, welchen ich in jedes Fahrzeug mitnehmen kann. Es Funktioniert im eigenen PKW wie auch im Mietwagen. Es wird einfach auf das Armaturenbrett gelegt. Für das Wohnmobil gibt es eine externe Antenne, die ich magnetisch auf die Motorhaube klebe, damit der Alkoven den Empfang nicht behindert. Die Feindaten von Europa passen auf eine 2GB CF-Card, so muss ich nicht ständig Karten jonglieren. Das Gerät hat keine Verbindung zum Fahrzeugtacho, d.h. in langen Tunnels und bei schlechtem Empfang ist man auf seinen Ortsinn angewiesen. (Im Tunnel unter Stockholm gibt es Abzweigungen und da ist das wirklich störend. Ansonsten stört es selten.) Das Gerät empfängt auch keine Staumeldungen, aber ich fahre eh nicht gern Autobahn. Viel wichtiger ist, dass der 2610 wasserdicht ist und somit auf meinen Motorrädern eingesetzt wird.
POI, points of interest
Die eingebaute Ortsdatenbank beantwortet die Frage: "Wo ist hier die nächste Pizzeria?" oder wichtig für den Endurofahrer: "Wo bitte geht es zur nächsten Tankstelle?", da ja bekanntlich immer wenn man grad die schönste Waldpiste gefunden hat, das Spritfass leer geht.
Tourguide
Die vielleicht wichtigste Funktion des Navigationsystems ergibt sich aus der Möglichkeit komplexe Touren vorzuplanen und stressfrei abzufahren. Mit dem Motorrad fährt man lieber 5 Stunden über die Rübenschnellwege vorbei an Dörfern und Ampeln als 3 Stunden über die Autobahn. Ich fahre z.B. häufig von Südniedersachsen nach Bonn. Da gibt es wunderbare Strecken durchs Bergische Land oder durchs Siegerland, eine schöner als die andere. Obwohl man sicher 50-mal abbiegen muss, ist man mit Navi stressfrei unterwegs.
Fahren ohne Routing
Natürlich kann man auch ohne Planung fahren und nutzt nur die mitlaufende Karte, um spontan unterwegs zu entscheiden, oder auch nur um die Lage der ausgeschilderten Orte zu erkennen. Diese Art der Navigation geht auch dort, wo keine autoroutingfähige Karte zur Verfügung steht. Auf meiner Finlandreise hatte ich nur eine Übersichtskarte vom Internet für den östliche Teil des Landes. Ich bin problemlos ans Ziel gekommen.
Auffinden von Punkten im Gelände
Schwer aufzufindende Punkte kann man als Wegpunkte im GPS ablegen, z. B. Ruinen, neolithisch Gräber etc. Die Koordinaten bekommt man aus dem Internet oder von topographischen Karten. Am einfachsten geht dies, wenn man eine rasterkartenfähige Software dazu benützt. Ich scanne meine Papierarten und importiere sie in TTQV. Man braucht einen Punkt nur in der Karte anzuklicken. Man gibt ihm einen aussagekräftigen Namen und überträgt ihn mitsamt den Koordinaten ans GPS.
Aufzeichnen von Tracks
Es ist sinnvoll seine Reisen, Touren und Wanderungen mit dem GPS aufzuzeichnen. Ich nutze dazu einen Garmin Geko 201. Das preiswerte Handgerät zeichnet den ganzen Tag auf, bis zu 10000 Trackpunkte. Die Frage: "Wo sind wir gewesen, als wir das dolle Dingsbums gesehen haben?", lässt sich so auch im nachhinein beantworten. Da der Geko in der Jackentasche bleibt, zeichnet er auch auf, wenn man das Fahrzeug parkt, und durch ein Städtchen spaziert. GPS-Tracks vom Viadukt von Millau |
Fotostandorte
Praktischerweise versehen die heutigen digitalen Kameras jedes Foto mit einem Zeitstempel. Die Software TTQV kann durch Vergleich dieses Zeitstempel mit der Trackaufzeichnung jedem Foto den Aufnahmestandpunkt zuordnen. Das Führen eines Fototagebuchs von Hand ist damit endgültig Vergangenheit. Ich hatte ohnehin nie die Disziplin das durchzuhalten.Dokumentation der Reiseroute
Die aufgezeichneten Tracks lassen sich in Karten einzeichnen oder nach GoogleEarth exportieren und bieten eine elegante Möglichkeit Reisedokumentationen zu ergänzen.
![]() |
GPS-track über das Viadukt von Millau in GoogleEarth |
![]() |
GPS-tracks vor dem Hintergrund von GoogleEarth Bildern |
Höhenaufzeichnung
Das GPS Signal enthält auch die Höhe. Dies ist nicht nur nützlich, um herauszufinden, ob eine Strasse bergauf geht (Uff, das Womo hat doch keinen Motorschaden, es geht bergauf!) sondern man kann auch sehen, wo man das Segelflugzeug hingesteuert hat.![]() |
GPS-tracks von Flügen im Segelflugzeug |
Nachträgliche Dokumentation von Reisen
Mit dem Kartenmaterial für das GPS lassen sich auch Reisedokumentationen zu Reisen erstellen, die nicht aufgezeichnet wurden, weil man noch kein GPS hatte oder weil die Batterien leer waren. Dazu generiert man den Verlauf in der Software Mapsource als Route und wandelt diese mit WinGDB in einen kurvengenauen Track. Diesen kann man wie einen echten Track weiterverwenden.
Orientierung mit Rasterkarten
Im Gelände liefern die Karten der Navigationsgeräte keine nützliche Information. Hier braucht man die gute alte topographische Karte. Die neuen Ausgaben der französischen IGN-Karten haben bereits ein Koordinatengitter aufgedruckt, welches zum GPS-System passt. Dadurch findet man die vom GPS angezeigte Position direkt auf der Papierkarte. Die Software TTQV ist in der Lage, gescannte Papierkarten entsprechend dem GPS-Signal nachzuführen. Ich nutze einen Bluetoothfähigen GPS Empfänger Holux236, der der Software die aktuelle Position übermittelt. Wo es keine hochauflösenden Karten gibt, kann TTQV auch mit Sattelitenbildern arbeiten, die es z.B. auf dem Internet gibt.Beim Wandern ist natürlich der Einsatz von TTQV auf einem Notebook nicht praktisch. Hier kann TTQV die kalibrierten Karten auf ein Handy oder PDA übertragen. Die Software Pathaway übernimmt dann das nachführen der Karte. Das GPS Signal kommt wieder über Bluetooth vom Holux236.



