Text für Veröffentlichungen:  Paul Pagendarm (1891 – 1953)

Paul Pagendarm

50. Todestag

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Ein Leben für Heimat, Natur und Erziehung

Autor: Heinrich Karl Hillebrand  (** s.u.)

 

I.  Paul Pagendarms Jugendzeit

Paul Pagendarm wurde im Forsthaus „Torfbruch“ bei Lichtenau als Sohn des Königlichen Försters Karl Pagendarm am 27. Januar 1891 geboren. Er besuchte zunächst die Volksschule in Hakenberg (bei Lichtenau). 1897 wurde sein Vater nach Atteln versetzt. Dort wohnte die Familie Pagendarm in der sogen. „Alten Burg“. Der Förderkreis besitzt eine Erinnerungsurkunde zur 1. Hl. Kommunion des 12jährigen Paul Pagendarm, die übrigens exakt auf den Tag genau 50 Jahre vor seinem Todestag, dem 19. April 1953, ausgefertigt wurde. Nach dem Besuch der Volksschule in Atteln bereitete sich Paul Pagendarm an der Präparandenanstalt in Paderborn und im Lehrerseminar zu Büren auf seinen künftigen Beruf vor.

II.  Die Zeit als Lehrer und Erzieher (1911  bis 1953)

Am 16. April 1911 begann er seine Lehrtätigkeit an der Volksschule in Grundsteinheim und wirkte dort bis zum 12. August 1941. In diesen 30 Jahren widmete er sich der Erziehung der heranwachsenden Jugend. Schon hier in der Schule suchte er seine Vorstellung über Heimatschutz und Heimatpflege zu verwirklichen, war es doch die Zeit, in der das Bewusstsein für altbewährtes Brauchtum in unseren Dörfern und Städten verloren ging. Häufig war Grundsteinheim Treffpunkt für Heimat- und Naturfreunde. Wegen der zahlreichen Aktivitäten von Pagendarms auf den Gebieten der Natur- und Heimatkunde wurde die Grundsteinheimer Schule liebevoll in Fachkreisen „Hochschule“ genannt, wohl auch deswegen noch, weil die Schule hoch über dem Sauertal lag. 1941 wurde Pagendarm an die Kasselertorschule in Paderborn versetzt und nach deren Bombardierung an die Herz-Jesu-Schule.

III.  Familiengründung

Am 8. September 1927 heiratete Pagendarm Elisabeth Ising aus Atteln in der Paderborner Franziskanerkirche. Deren Vater, der Mühlenbesitzer Christoph Ising, hätte wohl lieber einen „anständigen“ Müller als Schwiegersohn gesehen und hatte anfänglich Bedenken gegen die Heirat. Doch es scheint eine echte Liebe zwischen den beiden gewesen zu sein. Denn beide trafen sich häufig heimlich gegen den Willen des zukünftigen Schwiegervaters zwischen Atteln und Grundsteinheim im romantischen Sauertal. Der Ehe entstammten zwei Kinder: Sohn Paul, der Naturwissenschaft studierte und sehr früh (1950) an Typhus verstarb sowie Tochter Elsa, die heute noch in der „Kleinen Mühle“ lebt.

IV.  Paul Pagendarm, der Heimat-, Geschichts- und Naturforscher

Nach dem 1. Weltkrieg begann Paul Pagendarm mit Untersuchungen der Bülheimer Heide. 1928 wurde die Bülheimer Heide als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Pagendarms wissenschaftliche Qualifikation hat sich in vielen Veröffentlichungen gezeigt. Noch drei weiteren Naturschutzgebieten galt seine ganz besondere Aufmerksamkeit: dem Steinbruch „Stillerort“ am Velmerstot, der Wandschicht bei Salzkotten, der Bleikuhle mit dem Galmeiveilchen in Blankenrode, und den Nieder- und Hochmoorgebieten „Eselsbett“ und „Schwarzes Bruch“ unweit seines Geburtshauses „Torfbruch“ bei Lichtenau. Auch über diese Gebiete gibt es zahlreiche Aufsätze und Untersuchungen von ihm, die sich mit der Fauna und Flora dieser seltenen Biotope befassen. Nachdem Pagendarm und seine Lichtenauer Heimatfreunde: Pater Prof. Dr. Philotheus Böhner (OfM), Heinrich Rüthing und Josef Thöne entscheidende Vorarbeiten geleistet hatten, konnten auch diese Flächen unter Naturschutz gestellt werden.

Paul Pagendarm fühlte sich der engeren Heimat seines Geburtsortes Lichtenaus zutiefst verbunden. Er hat Arbeiten und Aufsätze über die Wüstungen des ehemaligen Gaues Soratfeld im Kreis Büren, über Amerungen, über Hausinschriften und Flurnamen veröffentlicht und trug erheblich zur Gründung des Verkehrsvereins „Soratfeld“ von 1926 in Lichtenau bei. Entscheidenden Anteil hatte er an der Organisation zur 600 Jahr-Feier der Stadt Lichtenau im Jahre 1926 mit dem beeindruckenden großen Festzug. Pagendarm gehörte mit zu den Ersten die die Grundsteinheimer Höhle, die Schwalglöcher der Sauer und Dolinen auf der Paderborner Hochfläche erforschte und mehrere Artikel darüber verfasste.

Paul Pagendarm hatte vielfältige Funktionen. Er war Beauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege und Leiter der Fachstelle Naturkunde. 1936 wurde er unter den damaligen Heimatgebietesleitern Landrat Eickel, Prof. Dr. Fuchs und Dompropst Brockmann Geschäftsführer im Westfälischen Heimatbund, Gebiet Paderborner und Corveyer Land, und brachte hier seine ganze Kraft ein. Paul Pagendarm war ein Gestalter, in gewisser Hinsicht ein Energiebündel, ein Initiator. Noch in den letzten Monaten seines Lebens gründete er mit den Attelnern den Heimatschutzverein, und wurde deren 1. Vorsitzender. Die Schützenfahne hat er noch bei den Schwestern in Herstelle a. d. Weser in Auftrag gegeben. Sie wurde während des ersten Schützenfestes von Domprobst Brockmann geweiht. Das Schützenfest in Atteln hat er nicht mehr erlebt.

V.  Der Fotograf und Autor Pagendarm

Paul Pagendarm verfasste zahlreiche heimatgeschichtliche und naturkundliche Aufsätze in unterschiedlichsten Zeitschriften und in der Tagespresse, hielt ungezählte Vorträge und war Mitbegründer der Zeitschrift „Die Warte“. Außerdem war er Mitherausgeber von Heimatkalendern und Mitarbeiter am „Heimatborn“, und des Heimatbuches „Kreis Büren“. Seine letzte größere Arbeit war die Herausgabe des Buches „Kreis Paderborn“. Auch im Eggegebirgsverein hatte er leitende Funktionen.

Pagendarm war ein herausragender Fotograf. Der Verein für Heimatgeschichte und Naturkunde der Stadt Lichtenau hat von Frau Elsa Pagendarm den Nachlass von etwa 300 Glasplatten-Negativen und dazu noch weitere andersformatige Negative erhalten, die erst in den kommenden Jahren alle ausgewertet werden können. Einen kleinen Teil davon sehen Sie in der geplanten Ausstellung über das Lebenswerk von Paul Pagendarm im Paderborner Kreishaus vom 09.02. bis 05.03.2004. Die Fotos haben einen unschätzbaren Wert, weil sie das Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts in unseren Dörfern und in unserer Natur festhalten. Sie sprechen eine anschauliche Sprache und zeigen das dörfliche Leben, von der Arbeit auf dem Lande, von Festen, vom Treiben in der Schule; vor allem aber sind durch diese Arbeiten wertvolle alte Bausubstanz und Dokumente dörflicher Kultur im Bilde festgehalten worden.

VI.  Kriegsjahre und Lebensende

Als Paul Pagendarm als Lehrer nach Paderborn versetzt wurde, zog die Familie zunächst (1941) mit nach Paderborn und wohnte in der Straße Kötterhagen Nr. 2. Nachdem die Wohnung 1945 ausgebombt worden war, zog man wieder nach Atteln in die „Kleine Mühle“, in der in all den Jahren immer eine eigene Art Ferien- und Wochenendwohnung verblieben war. Pagendarm blieb die Woche über in Paderborn und kam zum Wochenende nach Atteln. Vielleicht konnte er von Paderborn aus auch seinen Funktionen in Heimatpflege und Naturkunde leichter nachgehen. Gegen Kriegsende wäre er bei einem Rückweg fast einmal vom Volkssturm erschossen worden. Pagendarm hatte keine stabile Gesundheit. Aus diesem Grund wurde er 1943 völlig vom Wehrdienst befreit. Wie seine Tochter Elsa berichtete, sei der Tod seines Sohnes im Jahr 1950 ein fürchterlicher Schlag für ihn gewesen. Insofern suchte er 1952 um seine Pensionierung nach. Am 15. Januar 1953 wurde er in den Ruhestand versetzt. Doch schon nach wenigen Wochen starb Paul Pagendarm am 19. April 1953. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Familiengruft in Atteln beigesetzt.

** s.o.)        Heinrich Karl Hillebrand ist der Vorsitzende des Förderkreises für Heimatgeschichte und Naturkunde der Stadt Lichtenau und bekleidete dort viele Jahre auch das Amt des Orts- und Stadtheimatpflegers.

 

 

Quellen:

Westfälisches Volksblatt, 25.03.1978; Dr. Rudolf Kiepke

die warte, Nr. 28 12/1980; Hans Kohlenberg

Ansprache Prof. Dr. J. Schmitz (20.09.1980), anlässlich der Pagendarm-Gedenkstein-Einweihung

Persönliche Gespräche mit Elsa Pagendarm

Vortrag Bürgermeister Manfred Müller (29.08.2003); „Zum Leben und Wirken des Paul Pagendarm“