Konrad Pagendarm war ebenfalls ein Sohn des Ludolf Busse genannt Pagendarm (siehe unter Ludolf (`Lüdeke') Busse genannt. Pagendarm ) . Konrad muß um 1440/50 geboren sein.Von 1479 bis 1505 war er Rektor der Wiedenbrücker Trivialschule, 1 Als Rektor der Wiedenbrücker Trivialschule hatte er wahrscheinlich die niederen Weihen erhalten. Ebenso wie Johannes Hölscher aus Ahlen, der auch ursprünglich Kleriker und nach seiner Laiisierung Notar in Wiedenbrück war, verließ Konrad den geistlichen Stand wohl nach 1505 und heiratete Margareta Volmari 2 . Durch die Heirat waren seine Nachkommen zugelassen zu den Blutvikarien der Volmari'schen Familienstiftungen, der Magdalenenvikarie von 1504 in der Stiftskirche und der Kreuzvikarie von 1510 in der Marienkapelle 3 .
Die Lage des Hünefeld'schen Burgmannslehen ist in der Rentgutkarte von Rheinhold durch die Buchstaben l,m,n,o gekennzeichnet. Die Fläche zwischen Rheda und Wiedenbrück ist hier schraffiert dargestellt. Da der zum Lehen gehörende Velenberg als Wallgarten bezeichnet wird darf man vermuten, das ursprünglich die Fläche zwischen der Stadtbefestigung und den schraffierten Ländereien ebenfalls zum Lehen gehörte.
Er studierte zum Magister artium, wurde Kleriker der Diözese Osnabrück, kurkölnischer Offizial in Werl 4 . V. Steinen erwähnt ihn in seiner "Westphälischen Geschichte als bedeutenden Gelehrten der Stadt Werl 5 . Nach Resignation seiner geistlichen Würden war er Notar in Wiedenbrück. Wir erfahren, daß ihm 1516 unglücklicherweise ein mit Silber beschlagener Degen aus dem Bett gestohlen wurde 6 .1504 und 1522 wird er Gläubiger der Grafen v. Rietberg 7 . 1520 ist er Zeuge in einem Lehnsrevers des Hermann Hachmeister 8 . 1524 wird er im Rietberger Stadtbuch erwähnt 9 . Das Wiedenbrücker Schatzungsregister von 1528 führt in als größeren Ökonom an der mittleren Langestraße 10 . 1546 klagt der Drost zum Reckenberg und Grövenberge Hermann v. Amelunxen gegen ihn als seinen "Schreiber" wegen schlechter Rechnungsführung 11 .
1512 wurde er mit dem Hünefeld´schen Burgmannslehen zum Reckenberg 12 belehnt, das er an seine Sohn Johann vererbte. 1534 und 1561 wird dieser mit dem Steinwerkskamp belehnt.
Die Übergabe des Burgmannslehens an seinen Sohn 1534 erfolgte nach seinem Tod [Eintritt des sog. Mannfalls"] Der "Herrenfall" erfolgte schon 1553 mit dem Amtsantritt Johanns von Hoya als Bischof von Osnabrück. Beides schlägt sich in den Lehnsbüchern als erneute Belehnung nieder. Sein Enkel Konrad verkauft das Lehen 1612 an den Paderborner Kanzler, seinen Vetter Konrad Wippermann 13 .
Die Belehnung mit dem Reckenberger Burglehen fällt in eine interessante Phase der Burg Reckenberg. 1510 endet eine lange Zeit der Verpfändung der Burg und Teile des Amtes Reckenberg an den Grafen Johann v. Rietberg. Dieser widerum hatte große Teile seines Pfandbesitzes an Cordt Hachmeister weiterverpfändet. Der Hachmeister'sche Besitz wird in den folgenden Jahren durch Moritz v. Amelunxen eingelößt. Der Burgmannsdienst, d.h. die Verteidigung der Burg spielt dagegen eine untergeordnete Rolle, da dafür zumeist bezahlte Söldner eingesetzt wurden. Konrad Pagendarm tritt dabei sowohl als Geldgeber für die Rietberger als auch des Osnabrücker Bischofs auf.
Er war Mitglied im Wiedenbrücker Kaland, 14 Wiedenbrück (o.D.) 1533. Eine Biographie von Konrad findet sich bei Siebertz 15 . Dort wird er als berühmter westphälischer Gelehrter und Schriftsteller, namentlich als Jurist, beschrieben. Eine verschollene Genealogie des Bundesrichters Kurt Pagendarm aus Bochum beschreibt, daß noch Gerichtsakten von ihm aus dem Werler Officialgericht existieren. Der zeitgenössische Geschichtsschreiber Hermann Hamelmann beschreibt ihn in seinen Biographien berühmter Männer 16 . Offensichtlich war er schon zu Lebzeiten als Gelehrter zu überregionaler Bekanntheit gelangt.
Ehe 17 : Margareta Volmari, T.d. Otto Hunkemann genannt Volmari 18 und der Lucke Wrede im Wiedenbrücker Kaland. 19
1) Johann d.Ä., (siehe unter Johann Pagendarm der Ältere ) .
2) Anna Pagendarm (siehe unter Anna Pagendarm, Frau d. Walrab Schütte ) , oo [nach 1537] Walrab Schütte, Bürgermeister in Lippstadt.
Titelblatt der Gesamtausgabe der Werke des Geschichtsschreibers Hermann Hamelmann (*1525, +1595) erschienen in Lemgo 1707
1. Schmidt-Czaia , Bettina, Das Kollegiatstift St. Aegidii et Caroli Magni zu Wiedenbrück: (1250 - 1650), Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, 1994. (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen; 33) Zugl.: Münster, Univ., Diss., 1992 S.306 Anm.1332 nach Preising, Sacerdotium, S,29f.
2. Tochter des Ökonomen Otto Hunkemann genannt Vollmers oder Volmari. Er erwirbt den Meierhof Lintel von Hermann Hachmeister aus der Familie seiner Mutter Margarethe Hachmeister. Sein Onkel Cordt Hachmeister ist Burgmann zu Wiedenbrück und Stromberg sowie Gograf. Über die Hachmeister stammen auch die Volmari auch von den adeligen Familien v. Judden und v. Senden ab. Die Volmari selbst stammen vermutlich wie die Busse-Pagendarm aus Warburg.
3. Nach Flaskamp , Franz Xaver, Hennekenhaus und Bosfeld, Ein Beitrag zur westfälischen Hofes- und Familiengeschichte, 69. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Bielefeld, 1974 in: Flaskamp, Geschichte der Marienkirche zu wiedenbrück, Franziskanische Studien 43, 1961, S.21-74.
4. Flaskamp , Franz Xaver, Hennekenhaus und Bosfeld, Ein Beitrag zur westfälischen Hofes- und Familiengeschichte, 69. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Bielefeld, 1974, S.9. er beruft sich auf die "Westfälische Gelehrtengeschichte" Hermann Hamelmanns, S. 206 (Neu herausgegeben von h. Löffler. und die lateinische Ausgabe von Wasserbach 1711, S.641. auch bei Fr. Büscher, De iudicio officialatus archipiscoporum Coloniensium in ducatu Guestphalia constituto (Diss Bonn 1871) Eventuell bezieht sich auch eine Urkunde im StadtA. herford auf ihn. Dort wird ein Conrad Busse und Johannes Drinkhut "notariis publicis clericis Padeburnensis diocesis" erwähnt, R. Pape, Herforder geschichtsquellen Bd I
5.
v. Steinen Westphälische Geschichte, 17??, Theil 4 Das XXX. Stück s.1208 f.
§14
Sonst hat man bey der Stadt Werl noch zu merken:
I. Gelehrte Leute
Es kann dieser Ort mit Recht die Vaterstadt vieler gelehrten genennet werden (Fussnote: Stangens(oll?). I.c.p.99). Derjenigen, welche sich itzso noch darin finden, und die ich theils zu kenne das Vergnügen habe, welchen ich auch, wegen ihres willigen Beitrages zu der Westphälischen Geschichte, hiermit öffentlich Dank sage, will ich hier nicht gedenken.
Die geschickten Männer: Caspar, Christoph und Hermna v. Brandis, Christian und Gerhard Kleinsorgen, Dionysius und Henricus Werlensis. Gerhard Rotikenius. Henricus a Schultheis. M.C. Pagendarm (Fussnote: Hamelmann I.c.p.136 Seq, 125 und 228. Iof. Hartzheim Bibliotheca Colon. Die Quellen meiner Westphälischen Geschichte und andere Gelehrte Lexica geben von Ihenn Nachricht) und viel mehr andere, geben dem Ort viel Ehre.
7. Flaskamp , Franz Xaver, Hennekenhaus und Bosfeld, Ein Beitrag zur westfälischen Hofes- und Familiengeschichte, 69. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Bielefeld, 1974, S.9
8. Recklinghausen, K.G.v., Familiengeschichtliche Blätter 14. Jg. 1916 Heft 10, S. 318, am 8.12.1520
9. Hemann , Friedrich-Wilhelm, Das Rietberger Stadtbuch: Edition, Einleitung, Typologie; ein Beitrag zur Erforschung von Klein- und Residenzstädten sowie zur Frage der Schriftlichkeit in frühneuzeitlichen Städten Westfalens, Warendorf, 1994. (Beiträge und Quellen zur Stadtgeschichte Niederdeutschlands; 3) Zugl.: Münster, Univ., Diss., 1993., S.286 Meister Cord Pagendarm verkauft eine Geldrente von Jährlich drei Goldgulden an Friedrich Wybbekinck und seine Frau Katharina 22.Dez 1524, Die Urkunde ist auf S.357 abgedruckt
10. Nach Flaskamp , Franz Xaver , D ie Kalandsbruderschaft zu Wiedenbrück 2.Teil, in: Beitr. z. westf. Familienforschung 8,1949, S.35 dort: Joist Cort Pagendarm, 5 Kühe/Ochsen, 3 Rinder, 4 Schweine, 9 Gulden 2Pfennig im Langenburghoff, auch Hansmerten, Hans, Viehschatzregister des Amtes Wiedenbrück (Reckenberg) vom Jahre 1528, Beträge zur westfälischen familienforschung, Bd. VIII 1949 Heft 2/3 S.33-49
11. Recklinghausen, K.G.v., Familiengeschichtliche Blätter 14. Jg. 1916 Heft 10, S. 318 nach Richtschein von Hermann Hachmeister, Antiquariatskatalog von Ferdinand Schöningh in Osnabrück, Nr. 89, 1765 und 1771
12. König, Joseph, Das Fürstbischöflich-Osnabrückische Amt Reckenberg, in seiner territorialen Entwicklung und inneren Gestaltung, Dissertation, Münster, 1939, S.210, von Bruch, Rudolf, Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück , Osnabrück , 1930 S.388
13. nach Schmidt-Czaia , Bettina, Das Kollegiatstift St. Aegidii et Caroli Magni zu Wiedenbrück: (1250 - 1650), Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, 1994. (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen; 33) Zugl.: Münster, Univ., Diss., 1992 S. 306 und bei von Bruch, Rudolf, Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück , Osnabrück , 1930 S.387f.
14. Flaskamp , Franz Xaver , D ie Kalandsbruderschaft zu Wiedenbrück 2.Teil, in: Beitr. z. westf. Familienforschung 8,1949 2, S.12 und S.44 Anm.58. auch S.31
15. Seibertz , Johann Suibertz Westfälische Beiträge zur Deutschen Geschichte, Darmstadt 1819-, Bd.II: Nachrichten über die Schriftsteller des Herzogthums Westfalen Fortsetzung; (M-Z). - 1823, 1823 Bd.2 1823
16. Hamelmann, Hermann, Opera Genealogico-Historica, De Westphalia et Saxonia Inferiori, Accessit vita Hamelmanni, cum indice sufficientissimo / in unum volumen congesta ab Ernesto Casim. Wasserbach, Lemgoviae : Meyerus, 1711, De Quibusdam Westphaliae Viris Scientia claris, qui, Explosa Barbarie, puritatem Romanae linguae toti Germaniae attulerunt, Oratio, Quae etiam laudem Westphalorum continet / Auctore Herm. Hamelmanno ...Abdr. d. Ausg.: Lemgoviae 1563, S.225, M. Conradus Pagendarmius Widenbruggensis, iuresconsultus et officialis Werlensis
17. Nach Flaskamp , Franz Xaver, Das westf.älische Patriziergeschlecht Wippermann, Westfälische Zeitschrift, 110 (1960) S.249-270 auf S. 251 in Wiedenbrücker Urk. 276 von 1576
18. StAM, Stift Wiedenbrück, Urkunde 288a. auch Flaskamp , Franz Xaver, Das westf.älische Patriziergeschlecht Wippermann, Westfälische Zeitschrift, 110 (1960) S.249-270 auf S. 251 Ihr Bruder war lic.jur.Heinrich Volmari, Stiftsdechant, apostolischer Notar, bischöflicher Kaplan und Osnabrücker Domherr. Als Wiedenbrücker Stiftsdekan trat dieser gegen die ersten Versuche der Reformation durch Hermann Bonnus im Auftrage des Osnabrücker Bischofs Franz von Waldeck ein.




