Montag, Juni 27, 2005

Göttingen-Kopenhagen

Aufbruch


Heut soll es losgehen. Ich werde früh wach, frühstücke und packe den Koffer auf die Twin. Mein Sohn schläft noch.
Kurz vor sieben geht es los. Zuerst zur Tankstelle, dann auf die B3 nach Norden. Es geht gelassen voran. In der Gegend von Alfeld wird die B3 zu einer stilvollen alten Landstraße mit schönen Strassenbäumen an beiden Seiten, die sich in Kehren über die Hänge des Leinetals schwingt.
Bei Hildesheim nehme ich für ein Stück die A7 dann wieder die Landstraße über Celle. Es stellt sich heraus das mein Versuch vom gestrigen Abend, noch korrigierte Routen ins Navigationssystem zu schieben, wohl nicht geklappt hat. Zum Glück kann ich mich noch gut an den geplanten Verlauf erinnern und programmiere unterwegs Zwischenziele ein.


Überraschende Begegnung

Vor Hamburg gehe ich wieder auf die A7. Wo diese sich mit der A2 vereinigt, kommt von rechts ein Africa Twin, identisch mit meine direkt neben mich. Ein kurzer Gruß und der Fahrer gibt ihr die Sporen.
Vor dem Elbtunnel steht der Verkehr. Die Höhenkontrolle hat ausgelöst. Ich entdecke die andere Twin wieder und ziehe auf. Nach kurzer Unterhaltung lädt mich der Fahrer auf einen Kaffee in der nächsten Raststätte ein.
Er will schnell nach Sylt, wo er ein Geschäft hat. Mein nächstes Ziel ist die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke. Die wollte ich immer schon mal sehen. Dank GPS findet ich schnell Aussichtspunkte für schöne Fotos.


Wikinger

Auf er Landstrasse richtung Schleswig halte ich am Königshügel, ein Denkmal für eine Schlacht des 19. Jh., aber auch ein alter Grabhügel. Ein Stück weiter steht an einem Parkplatz ein grosser Runenstein der Wikinger. Ich nähere mich Haitabu, der wiederentdeckten Wikingerstadt, heute ein Museum.
Wieder zurück auf der Autobahn geht es schnell nach Dänemark hinein. Beim nächsten Stop auf einem Parkplatz sehe ich zwei junge Wikinger durch eine Lichtung streifen, ein Junge und ein Mädchen. Ich studiere die am Parkplatz aufgestellte Orientierungstafel. Hier sind Spuren eine grossen Siedlung entdeckt worden. Sie sind heute als Markierungen in der Landschaft sichtbar gemacht. Anscheinend findet in der Nähe ein Fest mit kostümierten Wikingern statt.

Hoch über das Wasser

Auf einer kurzen aber hohen Hängebrücke verlasse ich das dänische Festland. Die Fahrt geht nach Osten. Gegen 6 Uhr erreiche ich die Beltbrücke. Kilometerlang geht es über das Wasser, dann über eine kleine Insel, wo sich die Eisenbahntrasse von der Autobahn trennt, um im Tunnel zu verschwinden. Die Autobahn schwingt sich über eine hoch gewölbte Hängebrücke. Der Wind ist auf den Brücken weniger unangenehm, als an manchen Stellen in der freien Landschaft.


Ich beginne mit der Suche für ein Übernachtungsquartier. Im Gegensatz zum Westen Dänemarks, wo es viele Hinweisschilder auf Hotels und Campings gab, finde ich hier nichts dergleichen. Ich verlasse die Autobahn in Orten wie Ringstedt und Solrud - nichts! Entnervt fahre ich Richtung Kopenhagener Innenstadt. Auch auf den Ausfallstrassen stossen ich auf kein Hotel. Schliesslich lasse ich mich vom Navigationssystem zu einer Anhäufung von Hotels mitten in der Stadt führen. Mir ist klar, dass mich der erste "rip-off" dieser Reise erwartet. Ich verbringe die Nacht in einer Art Abstellkammer mit Klo auf dem Gang für 70 Euro.
Immerhin sind es nur ein paar Gehminuten zum Tivoli und so sehe ich abends die Touriattraktion von Kopenhagen wenigsten kurz von aussen und eine gemütliche Kneipe für ein Bier entdecke ich auch, das Jernbane Caffeen.

Dienstag, Juni 28, 2005

Kopenhagen-Stockholm


Oresundbrücke

Ich schiebe die Twin aus dem Hof des Hotels und fahre Richtung Süden. Es dauert etwas bis das Navigationssystem die Satelliten gefunden hat. Dann leitet es mich hinter den Flughafen, von wo man die Oresundbrücke sehen kann.
Nach kurzer Pause fahre ich Richtung Brücke. Zunächst geht es aber in einen Tunnel. Dann über das Wasser, ständig steigend bis zur Hochbrücke und dann rasch wieder hinunter. Hinter der Mautstelle in Schweden ist gleich ein Parkplatz. Ich lasse mir den Weg zum nächsten Geldautomaten erklären. Zunächst fahre ich aber noch zu einem Aussichtspunkt auf der Nordseite. Dort will ich beim Informationsgebäude parken und werde gleich fortgeschickt. Alles ist reserviert für einen Werbeevent für Opelhändler. Ich werde nicht einmal in die Toilette gelassen. Allerdings sind die deutschen Monteure, die draussen auf dem Parkplatz stehen sehr freundlich und ein irischer Kollege macht ein Foto von mir.

Südschweden

Nun schnell Geld gezogen und ab auf die Autobahn nach Norden. Ich verpasse den Abzweig, der mich ein Stück weit über die Landstrasse geführt hätte und komme so schnell auf die E4. Der schwedische Süden sieht eh eher langweilig aus. Sobald ich ins Landesinnere komme fühle ich mich in die USA versetzt, die breite Strasse, die Landschaft, ja sogar die Trucks sind hier länger als im übrigen Europa.
Irgentwo folge ich der Beschilderung zu einer Kirchenruine neben der Strasse. Zwischendurch tanken und einen Hotdog einwerfen, dann erreiche ich den Vätternsee. Bei Jonköping steht immer noch der riesige hölzerne Troll, den ich schon vor 27 Jahren fotographiert habe. Jetzt kann man hier nicht anhalten, die E4 ist hier Autobahn.

Finlandfähre

Weil ich so flott voran komme, will ich versuchen noch die Fähre nach Finland zu erwischen, zumal es nach Regen aussieht. Ich erreiche Stockholm kurz vor 6. Das Navigationsystem bringt mich zunächst easy in die Stadt, aber dann verschluckt mich ein schier endloses Tunnelsystem mit etlichen Abzweigen. Das Navi schweigt sich aus und im Tunnel sind die Fährhäfen nicht ausgeschildert. Ich komme dennoch aus dem richtigen Ende und bin nach ein paar Abzweigen am Terminal der Viking Line. Hier stehen schon einige Autos an, aber alle Schalter sind geschlossen. Ich ziehe vorbei bis hin zu einigen finnischen Bikern. Einer spricht Englisch und erzählt, dass er mit seinem 11-jährigen Sohn durch die baltischen Staaten und die Tschechei bis nach Villach gefahren ist und dann durch die Alpen. Nun ist er auf dem Rückweg. Ich hätte mich gern auch mit seinem Sohn unterhalten. Aber leider spreche ich ja kein finnisch.

Inzwischen gibt es den ersten Regenguss dieser Reisen.Als endlich die Schalter öffnen ziehe ich vor und kaufe ein Ticket. Die Kabinen sind ausgebucht, aber man kann sich nach dem Ablegen, um Kabinen bemühen, die nicht in Anspruch genommen wurden. Nach weiterem warten in eine Aufstellzone fahre ich die Twin auf das obere Fahrzeugdeck und bekomme dort mit den andere Bikern eine Ecke zugewiesen. Es gibt Ösen im Boden und aussreichend Gurte. Ich begebe mich sofort and die Rezeption und ergattere noch eine Innekabine für mich. Leider ist inzwischen das Cardeck schon verschlossen, so dass ich mit dem zurecht kommen muss, was ich an mir trage. Nach einem Bier und etwas Abendessen, was hier nach Gewicht verkauft wird, gehe ich früh schlafen.

Mittwoch, Juni 29, 2005

Turku-Nurmes


Finland

Nach dem Frühstück im Restaurant im Bug der Fähre geniesse ich an Deck noch ein Stückchen die Fahrt durch die Schäreninseln. Dann muss ich auch schon ins Cardeck, die Twin startklar machen. Vor uns steht ein PKW, der nicht anspringt. Die Mannschaft der Fähre hat für solche Fälle ein Wägelchen mit Batterien. Schnell ist er flott und die Motorräder könne nun auch raus. Am Zoll müssen alle einen Alkoholtest machen.
Ich halte noch im Hafen, um mir die Regenhose anzuziehen und noch schnell die Tracks von gestern aus dem GPS zu lesen.

Regen

Die Orientierung wird jetzt auf die klassische Art nach der Beschilderung erfolgen müssen, das es von Finland keine routingfähigen Karten gibt. Das Wetter ist ncht toll. Es ist kalt und regnerisch. Bei Tampere erwischt mich ein mächtiger Guss. Ich beginne zu frieren. 11 Grad zeigen die Thermometer an manchen Gebäuden.
Schon bei Kuopio rufe ich Manfred an, ob ich einen Tag eher ankommen kann. Eine gute Entscheidung, denn am folgenden Tag wird es noch mehr regnen.


Ankunft in Sävikyla

Erst gegen 8 Uhr erreiche ich Sävikylä. Ich halte an, um auf die topographische Karte umzuschalten, damit ich das Haus von Manfred und Leena finden kann. Ganz in der Nähe kracht ein Blitz herunter. Mir wird mulmig. Schnell weiter! Es sind nur noch ein paar hundert Meter. Ich komme über eine Kuppe und Manfred erwartet mich bereits mit der Kamera im Anschlag.
Der Empfang ist herzlich. Schnell ein Bier und bald gibt es Abendessen: Spaghetti mit Rotwein. Die Sauce Bolognais hat Manfred frisch zubereitet mit Kräutern und Oliven, lecker! Die Zeiten, wo man in Finnland keine importiereten Lebensmittel kaufen konnte sind offensichtlich vorbei.
Ich bekomme das Haus erklärt, den Ofen, das noch unvollendete Bad und die Sauna. Ich nehme mein erstes Saunabad auf dieser Reise und kühle mich im See vor dem Haus ab. Es wird noch ein langer Abend mit schönen Gesprächen bis ich in einem hübschen Zimmer in den Schlafsack krieche. Das Zimmer liegt nach Norden und so wird hier kurz nach dem Schlafengehen schon wieder die aufgehende Sonne durchs Fenster blenden.

Donnerstag, Juni 30, 2005

Savikylä


Ruhe

Es ist regnerisch und kalt. Ich bin froh hier zu sein. Wir reden den ganzen Tag lang. Am Nachmittag klart es auf. Manfred und Leena fahren zum Einkaufen. Ich nutze die Zeit, um das Notebook anzuwerfen und alles etwas zu organisieren. Als die beiden zurück sind wird zunächst einmal ein frischer Lachs in Salz eingelegt.


Danach fahren wir in ein nahe gelegenes Naturreservat und spazieren über die Harjus. Die Landschaft ist wirklich schön hier. Auf der Rückfahrt suchen wir noch Wachholderzweige zum Räuchern.

Der schwarze Rudolf

Der Lachs wird über Räucherspänen mit Zucker und den Wachholderzweigen im "schwarzen Rudolf" geräuchert. Dieser Ofen ist wohl das wichtigste Teil beim Kochen hier, er kann auch backen oder eine riesige Pfanne heizen.
Der Lachs gelingt hervorragend und es wird wieder ein langer Abend.

Freitag, Juli 01, 2005

Nurmes-Valtimo

Spaziergang in Nurmes

Am nächsten Tag besuchen wir Nurmes. In er Kirche übt grad ein Chor. Die Modelle der Vorgängerkirchen sind ausgestellt. Nurmes liegt auf einem Harju zwischen zwei Seen. Wir spazieren von einem zum anderen. Zwischendurch gibt es Kaffee und Kuchen in der örtlichen Berufsschule. Es wird an antiken Tischen in altem Porzellan serviert.
Am anderen Ende der Stadt gibt es "Bomba", ein karelisches Dorf, wo auch das Freilufttheater und das Schwimmbad zu finden ist.

Kahnpartie bei Valtimo


Wir fahren und wandern dann zu Manfreds Sommerhaus bei Valtimo. Eigentlich sind es mehrere Häuser, denn die Sauna ist in einer separaten Hütte und es gibt eine offene Sommerküche unten am See. Auf einer Kahnpartie rund um die vorgelagerte Insel lerne ich noch den Nachbarn kennen, ein Germanist. Obwohl wir eigentlich hier kochen wollen entscheiden wir uns spontan doch wieder nach Sävikylä umzuziehen. Auf der Fahrt bekomme ich noch viele Stellen gezeigt, zu denen Leena eine Geschichte zu erzählen hat.

Zurück nach Sävikylä

Auf dem schwarzen Rudolf wird eine Gemüsepfanne zubereitet. Da auf dem Internet gutes Wetter angesagt wird, entschliesse ich mich morgen abzureisen. Ich habe mein Zeitgefühl längst verloren und hätte ruhig noch bleiben sollten. Das wird mir aber erst in Schweden klar werden.

Samstag, Juli 02, 2005

Karelien-Lappland


Überstürzte Abreise

Am diesem Morgen geht es schon früh los - ich habe ja viel vor. Doch zunächst fahre ich kurz nach Nurmes hinein zum Tanken. Ich habe mir vorgenommen, auf touristische Hinweise zu achten, um die Sehenswürdigkeiten am Weg nicht zu verpassen. Daher halte ich auch kurz an einem Kriegerdenkmal vor der Stadt. Da ich das aufgestellte Artilleriegeschütz nicht spannend finde, und die finischen Erläuterungen mir nichts sagen, bin ich schnell wieder auf dem Motorrad. Dies wird mir noch oft so gehen.

Soltamo

Mein nächster Tankstop ist in Soltamo, ein Wintersportort. Durch Manfreds Hinweis, weiss ich, dass hier ein Aussichtspunkt sein muss. Ich finde die Zufahrt mit Hilfe des Piktogramms auf einer Übersichtskarte. Oben ist eine Sprungschanze. Die Sicht ist wirklich fantastisch. Ich bewundere die Langläufer, die sich auf Rollski den Berg hinauf quälen.
In Soltamo gibt es einen Sandstrand am See, an dem aber noch nichts los ist.

Moskau-Lissabon per Rollstuhl

Gegen mittag begegne ich irgentwo in Küstennähe einem russischen Rollstuhlfahrer, der von Moskau nach Lissabon auf dem Landweg um die Ostsee herum fahren will. Er puscht seinen Elektrorollstuhl mit Handhebeln über die Strecke. Von der Aktion hatte schon das Radio berichtet, als ich noch in Sävikylä war.

Finnisch: ein Buch mit sieben Siegeln

An dieser Stelle steht wieder einmal ein touristischer Hinweis "Iin Hamina". Was könnte das sein? Soll ich dafür abbiegen? Ich entschliesse mich zur Weiterfahrt. Weil ich mir aus dem finnischen überhaupt keinen Reim machen kann, fahre ich bestimmt an vielen Dingen vorbei.

Lappland

Irgentwann komme ich nach Lappland und überquere die Grenze nach Schweden. 2500 km bin ich bereits gefahren. In Schweden machen Beschriftungen wieder Sinn für mich und ich kann geziehlt von der Strasse abbiegen um mir Dinge anzusehen, z.B. ein historisches Dorf.

Umea, Schweden

Ich finde eine Hotelzimmer bei Umea in einem Landgasthof (Norrkensgarden). Der Pries von 65 Euro ist gerade noch akzeptabel für das gebotene. Es ist schon spät als ich zum Essen komme. Das Restaurant ist bereits leer. Ich bekomme noch ein Omelett.

Sonntag, Juli 03, 2005

Umea-Västeras

Frühe Industriekultur in Schweden

Es ist Sonntag und ich war der Meinung es wäre schon Montag. Irgentwann muss ich mit der Zählung der Tage durcheinandergeraten sein. Man spürt, dass viele Ausflügler auf den Strassen unterwegs sind.
Ich verlasse die E4 und besichtige ein Museumsdorf mit Bauten aus der frühen Industrialisierung. Man kann einfach darin herumfahren, es ist ein bewohntes Museum.


Bothnia Banan

Zurück auf der E4 geht es zügig nach Süden. Neben der Strasse ist eine endlose Baustelle. Man baut an eine Schnellbahntrasse. Da es Sonntag ist habe ich die Chance, in die Baustelle hineinzufahren und die frisch gesprengten Einschnitte und Tunnel zu besichtigen. Bald wird hier wieder alles unter Gras verschwunden sein und Wildzäune werden das Verlassen der Strasse verhindern.
In Schweden gibt es zahlreiche Flüsse mit starkem Gefälle und Stromschnellen. Daher gab es offensichtlich bereits früh eine industrielle Nutzung des Nordens durch metallverarbeitende Betriebe und Kraftwerke, die die Wasserkraft nutzen. Vor einem alten E-werk steht das Laufrad einer Radialturbine ausgestellt.


Höga Kusten

Bald komme ich an die sog. Hochküste. Seit der Eiszeit hebt sich hier das Land etwa 8mm pro Jahr und die früheren Küsten sind inzwischen steile Bergflanken.

Ami-Schlitten

Die Schweden lieben offensichtlich alte amerikanische Strassenkreuzer. Sehr viel begegnen mir ohne dass ich auch nur eine Chance bekäme, sie zu fotografieren. Einige Exemplare erwische ich aber doch!
Die Landschaft in Schweden ist vielmehr eine Kulturlandschaft. So gibt es viel mehr Sehenswürdigkeiten, die mich zum Zwischenstop veranlassen, z.B. eine Kircheruiene, die heute von allerlei hässlichen Supermärten umzingelt ist. Leider gibt es in Schweden auf viel stinkende Industrie.

Historische Giesserei Iggesund

Wieder komme ich zu einem Denkmal der Industriekultur, eine alte Giesserei. Ich zuckele mit der Twin zwischen den alten Gebäuden herum und werde von Jennie angesprochen. Sie ist Studentin und ihr Sommerjob ist es Touristen durch die Giesserei zu führen. Alles ist kostenlos. Eigentlich will ich weiter, aber sie wartet wohl schon sehr auf Besucher. Wegen der schlechten Beschilderung findet wohl selten jemand den Weg hierher. So lege ich den Helm ab und folge ihr in das Gebäude. Ich bekomme eine spannende Führung und mein Guide erweist sich als sehr kompetent. Jedenfalls kann ich alles mögliche fragen und bekomme immer Antworten. Die Anlage stammt im Kern aus dem 17. Jh. und steht nun schon seit 40 Jahren stillgelegt und im wesentlichen unverändert. Da Jennie aus dem Ort ist hat sie noch Arbeiter gekannt, die hier Eisen verhüttet haben. Sie kann deren Schilderungen des Alltags in Schmutz und Hitze und mit der ständigen Gefahr schwerer Unfälle wiedergeben. Diese Besichtigung ist wirklich empfehlenswert.

Hinterland

Weiter im Süden verlasse ich die ausgetretenen Pfade der E4 um auch etwas vom Hinterland zu sehen. Allerdings wird es hier gleich dünn mit Tankstellen und Übernachtungsmöglichkeiten.

Camping in Västeras

Mitten im Wald komme ich wieder mal an einem Runenstein der Wickinger vorbei. In Västeras versuche ich ein Hotel zu finden. Aber der Preis von 90 Euro schreckt mich ab. Ich entscheide mich, mich nach einem Campingplatz durchzufragen. Auf dem Platz stehen schon einige Busse von Rennteams mit aufgemotzten Ami-Schlitten im Schlepp. Morgen gibt es hier ein Dragrace.
Das Abendessen gibt es praktischerweise an der Dönerbude direkt vor dem Camping. Der Zeltaufbau erfordert Improvisationsgeschick, da das Zelt schon etwas sturmgeschädigt ist. Eine Lasche fehlt und einige Stangen sind verbogen.
Der Zeltnachbar schenkt mir eine Strassenkarte von Schweden, in der alle Zeltplätze verzeichnet sind. Dies wird die Infomationslücke im Navigationssystem ausgleichen.
Die Nacht im Zelt ist problemlos, weil die Luftmatratze von Polo sich wirklich bewährt und es mir auch gelingt, die Mücken aus dem Zelt zu halten.

Montag, Juli 04, 2005

Västeras-Värnamo


Strömsholmskanal"

Der idyllische Strömsholmskanal lädt zu einer Fußwanderung entlang der Schleusen ein. Ein alter Schweden kauderwelscht mit mir, weil ich für das Sommerwetter doch viel zu war angezogen daherkomme in meiner Motorradkluft. Die Skandinavier sind unglaublich kommunikationsfreudig. Ich werde so oft angesprochen auf dieser Reise.

Bronzezeitgrab

Irgentwo ist die E20 wegen einer Baustelle gesperrt. Ich verpasse die richtige Umleitung und lasse mich stattdessen vom Navigationssystem durch kleinste Strassen parallel zu Autobahn nach Süden leiten. Ich stosse bei einem Gehöft auf einen Grabhügel aus der Bronzezeit.

Schwedens ältester Bahnhof

Bei Järle besichtige ich den ältesten noch erhaltenen Bahnhof von Schweden. Leider ist von der Museumsbahn, die hier verkehrt nichts zu entdecken. Ich fahre durch Orebro, um das imposante Schloss zu sehen.
Hjortkwarn hat ein schönes Ortsbild. Neben der heutigen Strasse existiert noch die alte Landstrasse mit ihren gemauerten Brücken. In dieser waldreichen Gegend komme ich auf immer kleiner Strassen, irgentwann wird es sogar richtig kurvig. Ich passiere einen alten Gutshof, gönne mir noch eine Pause an einem der zahlreichen Seen und erreiche schließlich Motala mit Götakanal, Automuseum und dem obligatorischen Snack an der Tankstelle.

Vadstena

Anschliessend fahre ich hinein nach Vadstena am Vätternsee. Die Klosterruine habe ich 1978 schon einmal besichtigt. Ich erkenne die Kirche wieder. Auch hier steht ein Runenstein. Auch Vadstena hat ein hübsches Ortsbild, ein Schloss und einen Museumsbahnhof.

Klosterruine Alvastra

Die nächste Entdeckung ist die Klosterruine von Alvastra. Ich parke die Twin im Schatten eines grossen Baumes mitten auf der Wiese neben der Ruine. Die alten Bögen geben im Sonnenlicht prächtige Fotomotive ab.


Runenstein von Röek

Nur wenige Kilometer weiter gibt es noch eine Pfahlbautenausgrabung und den grossen Runenstein von Röek zu besichtigen. Ich gehe nicht auf die E4 sondern folge den Ufern des Vätternsees auf der Touristenstrasse. Oben am Hang liegt die Ruine des Braheschlosses. Spät schlage ich mein Zelt auf dem Camping von Värnamo auf. Hier gibt es leider keine Dönerbude. Man könnte zu Fuß in die Stadt gehen aber ich kaufe mir an der Rezeption einen "micowavable Burger" und gehe in die Gemeinschaftsküche, wo eine Microwelle zur Verfügung steht. Die netten deutschen Nachbarn, die mit dem Autotransporthänger ihre Neuerwerbung aus Schweden abholen wollen laden mich zu einer gemütlichen Runde ein.
Es gibt kaum Mücken und die NAcht wird wieder problemlos.

Dienstag, Juli 05, 2005

Värnamo-Hamburg


Die Kommunikation per SMS klappt mal wieder nicht. Ich will mich für den abend bei meiner Tochter in Hamburg ankündigen. Unterwegs nach Helsingborg mache ich nur noch einen kleinen Abstecker zu einem bäuerlichen Freiluftmuseum nach der E4.

Fähre nach Dänemark

In Helsingborg geht es so flott auf die Fähre, dass ich nicht einmal Zeit finde vorher die Batterien von Kamera und GPS zu tauschen. Prompt gibt die Kamera auf. Das GPS hält grad noch durch und so kann ich an Deck stehen einen Teil der Überfahrt aufzeichnen.

Regen

In Dänemark suche ich erst einmal eine Gelegenheit zum parken, um die Batterien zu tauschen. Dann gehe ich auf die Autobahn nach Rodby. Unterwegs klappt endlich die Verabredung in Hamburg und ich ziehe die Regenhose an, weil der Himmel nichts gutes verspricht. Mit wenig Sprit im Tank erreiche ich Rodbyhaven und kaufe das Ticket. "Reihe 1, ganz nach vorn!", doch entgegen meiner Erwartung werden nur noch etwa 40 Auto auf die Fähre gewunken. Der Schlagbaum senkt sich und ich steh im Regen.

Fähre nach Fehmarn

Weitere Biker trudeln ein, und während wir noch diskutieren kommt die nächste Fähre. Nach etwa 40 Minuten Wartezeit bin ich an Bord. Für zollfreie Einkäufe hab ich keinen Platz und so tausche ich alle dänischen Kronen und schwedischen Kronen in Euros zurück. Ich schau mir den Tauschkurs lieber gar nicht an, um mich nicht ärgern zu müssen. Der Euro hat schon Vorteile für den Reisenden.
In Puttgarden quält sich der ganze Inhalt der Fähre auf die Landstraße quer durch Fehmarn. Die erste Tankstelle kommt erst hinter der Fehmarnsundbrücke. Es giesst inzwischen wie aus Kübeln. Gegen 7 komme ich triefnass in Hamburg an. Es wird noch ein langer Abend.

Freitag, Juli 08, 2005

Hamburg-Göttingen

Endspurt

Erst am Nachmittag verlasse ich Hamburg zunächst auf der A7. Bald beginnt es zu regnen und ich fahre die Landstrasse über Celle und dann die B3 nach Göttingen.

Um halb acht bin ich zuhause. 4870 km liegen hinter mir. Die Pausen und Stillstandzeiten haben sich zu fast 20 Stunden addiert sagt das GPS. Während der Fahrt habe ich immerhin einen Schnit von 80 km/Std gefahren. Ca. 700 Fotos hab ich geschossen. Die Anzahl der Bilder in meinem Gedächtnis bleibt ungezählt.
Eine Reise, die trotz der langen Fahrstrecke verblüffend entspannend war und bleibende Eindrücke hinterlassen hat.