Samstag, Mai 06, 2006
Anreise
Auf die letzte Minute haben wir eine sehr günstige Ferienwohnung in Plan
de la Tour gebucht. Diesmal wollen wir schnell mit dem Wagen anreisen
und die Motorräder auf dem Anhänger mitnehmen. Das Navigationssystem
möchte uns über die Schweiz und Italien an die Cote Azur schicken. Ich
entscheide mich für die klassische Variante durch die Burgundische
Pforte, das Jura und das Rhonetal. Mit 1340 km ist die Route zwar etwas
länger aber wahrscheinlich schneller zu fahren, zumal man auf
französischen Autobahnen auch mit Anhänger mit 130 km/h unterwegs sein
darf. Angesichts des gewaltigen Pensums stehen wir mitten in der Nacht
um 3.00 Uhr auf, halb 5 sind wir schon unterwegs. Wir schaffen die
Strecke in etwa 14 Stunden. Bei Lyon geht es über eine (für uns bisher
unbekannte) Ost-Umfahrung. Ca. 65 Euro fallen an Autobahngebühren an.
Die
Wohnung ist nett. Es gibt auch kein Parkplatzproblem mit dem Anhänger,
da um diese Zeit nicht alle Wohnungen in der Anlage Odalys belegt sind.
Totmüde testen wir noch das Angebot der Pizzaria im Ort.
Sonntag, Mai 07, 2006
Begegnungen
Am morgen geh ich erstmal das nötigste Einkaufen: Pfeffer, Salz, Baguette, Croissants und Kaffeefilter für die Kaffeemaschine. (Die werden wir nicht brauchen, weil die Maschine einen festen Einsatz hat.) Frühstück gibt es auf der Terasse. Das Wetter ist, wie es sich für die Cote Azur gehört. Nach dem Frühstück laufen wir ein paar Supermärkte an, die jedoch in dieser Jahreszeit am Sonntag nicht geöffnet haben. Also fahren wir schnell wieder zurück nach Plan de la Tour und besorgen die Zutaten für´s Mittagessen im Dorfladen. Die Twins sind abgeladen, werden aber heute noch nicht bewegt. Ausruhen und Auspacken ist angesagt.
Von der Terasse beobachten wir einen Gecko, der sich grade umzieht (er häutet sich)
Montag, Mai 08, 2006
Unangenehme Überraschungen
Mittags gibt es Fisch mit Pastis flambiert, der herrlich gelingt. Carin hat den phänomenalen Chevre mit Feigenfüllung aus dem Perigor wiederentdeckt. Den gibt es zum Abschluss des Essens.
Am Nachmittag kommt die Sonne heraus und ich mache mich mit der Twin auf in die Berge. Beim Überfahren einer Rinne kracht es heftig. Ich denke, dass ich mit dem Hauptständer aufgesetzt habe und fahre zunächst weiter. Nach einiger Zeit kommt mir das Fahrverhalten der Twin doch arg ungewohnt vor. Ich halte auf einer Bergpiste und stelle fest, dass das Heck ziemlich abgesackt ist. Irgendetwas stimmt mit dem Federbein nicht. Vorsichtig quäle ich mich zurück nach Plan de la Tour. Eine Untersuchung ergibt, dass die untere Verbindung des Federbeins mit den Auslenkhebeln gelöst ist und sich Teile der Federung verkeilt haben. Mit Carins Hilfe baue ich das Federbein aus. Es ist sehr schwierig, den Ausgleichsbehälter um die Benzinpumpe herum zu fummeln. Letztendlich kommt alles raus. Morgen werden wir auf die Suche nach einem Ersatzteil gehen.
Dienstag, Mai 09, 2006
St.Tropez
Wieder zurück, beschliessen wir aus der Not eine Tugend zu machen und mit der funktionierenden Twin nach St. Tropez auf den Markt zu fahren. Da braucht man wenigstens nur einen Parkplatz zu finden. Wir schlängeln uns am Stau vorbei in die Stadt und parken direkt am Marktplatz. Dort bietet ein Händler Ölgemälde an. Die ungespannten Leinwände liegen haufeweise übereinander und man kann darin wühlen. Wir entdecken eine flott hingespachtelte Ansicht von St.Tropez. Später werden wir die Signatur als "Thomas" entziffern und auf die Jagd nach weitere Werken gehen. Dieses erste kleine Ölbild erwerben wir für spontankauffreundliche 38 Euro. Für den Preis wird es gleich noch nach Wunsch mit einem gelben Rahmen versehen (sur place). Die Rückfahrt gestaltet sich etwas stressig, weil die liebste Sozia von allen das Bild balancieren muss.
Am Nachmittag fahren wir noch eine Runde über die Halbinsel. Zunächst geht es über Gogolin nach Gassin, wo wir uns ein Panache im Bello Visto gönnen. In diesem Hotel haben wir früher schon einige schöne Tage verbracht, so zieht es uns immer wieder an diesen genial gelegenen Platz. Von Gassin geht zu den Mühlen von Paillas, wo die Touristen sich vor der restaurierten Windmühle fotographieren. Ein netter Franzose bietet an, mit meiner Kamera zu knipsen, so dass wir auch einmal beide aufs Bild kommen. Durch Ramatuelle fahren wir zum Cap Camarat und bewundern die Blumen in der Nähe des Keuchtturms. Über den Chemin de St. Anne geht es quasi durch die Hintertür direkt zum Hafen von St. Tropez. Ich parke die Twin direkt am Quai vor eine schönen Yacht. Hafen besichtigung und Stadtbummel machen wir zu Fuss.
Mittwoch, Mai 10, 2006
Wieder flott!
Nach dem Essen beschliessen wir mit beiden Twins nocheinmal nach St.Maxime zu fahren, weil wir unbedingt noch Lavazza Kaffee brauchen. Den finden wir auch und nutzen die Gelegenheit zu einem Stadtbummel. Dabei entdecken wir in einem Touristenladen weitere sehr schöne Bilder von Thomas. Wegen der grossen Formate verabreden wir mit dem Händler, in ein paar Tagen noch einmal mit dem Wagen vorbeizukommen.
Da nun Kunst ein Thema dieses Urlaubs zu werden scheint, beachten wir auch noch ein Plakat, welches auf eine Galerie in Grimaud hinweist, die Bilder von Jean Claude Tron ausstellt. An der Uferpromeda bummeln wir noch über einen Trödelmarkt, wo Carin, angeregt durch die Echse vor unserem Balkon, einen Lizard erwirbt.
Donnerstag, Mai 11, 2006
Schotter!
Gestern hatten wir in Ste. Maxime ein Plakat einer Galerie entdeckt. Die Galerie war doch in Frejus, oder? Am besten wir setzen uns auf die Twins und fahren noch einmal kurz nach Ste. Maxime, um es ganau zu lesen. Da können wir gleich günstig tanken. Gut, dass wir noch mal nachgesehen haben: die Galerie ist in Grimaud! Eine kurze Tour am Meer entlang bringt uns ins malerische Grimaud. Beim Einparken kommen wir mit einem anderen Motard ins Gespräch, der uns Wein empfiehlt, einen Rose (wie hies er noch gleich?) und einen Rouge, Carte Noire (haben wir schon letztes Jahr entdeckt). Immerhin, wird unser Geschmack bestätigt.
In der Galerie am Place Neuve lassen wir uns sehr beeindrucken von den Bildern von Jean Claude Tron. Leider übersteigen die geforderten 2400 Euro mein Budget. Wir begnügen uns mit einem Poster.
Am Nachmittag mache ich mich mit der Twin auf in die Berge. Im Massiv des Maures gibt es zahlreiche kleine und kleinste Strassen, geteerte und ungeteerte. Manche sind Privatstrassen (voie prive, non ouvert a la circulation public). Diese meide ich, um die Zunft der Motards nicht in Verruf zu bringen. Es gibt aber genug offene Strassen oder solche, die nur bei Feuergefahr per Schranke geschlossen werden.
Die erste schöne Schotterpiste, die unter die Räder der Twin kommen ist der Col des Mines. Es geht stellenweise recht steil den Hang hinauf, vorbei an einem vergitterten Stolleneingang, der zu einer alten Blei- und Silbermine gehört.
Oben treffe ich auf die Piste des Martins, der ich nach Osten folge. Ein Abstecher um eine alte Windmühle herum führt mich zu der idyllischen Ansiedlung Les Gastons und wieder zurück zur D44. Diese überquere ich und folge gleich einer Piste, die über Les Ubacs steil ins Vallon des Pres hinabgeht. Ca. 160 Höhenmeter, die ich mit der schweren Twin wohl bergauf nur mit Schwierigkeiten geschafft hätte.
Oben auf dem Col de Vignon treffe ich wieder auf die D74 und folge ihr Richtung Vidauban. Irgentwann geht es rechts auf eine Piste zum Col des Vaucron. Diese wird nur bei Feuergefahr geschlossen.
Ich folge der D72 ein Stück Richtung Vidauban, um dann für viele Kilometer der Piste des Pommiers bis zum Fluß L'Argens zu folgen. Diese Strecke führt mit einigen Abzweigen zu Gipfelpunkten, die zum Verweilen einladen. Wenn man hier oben auf die Welt rundherum herabsieht, spürt man die Schönheit dieser Landschaft erst wirklich.
Über Le Muy und Ste. Maxime geht es flott wieder ins Quartier.
Freitag, Mai 12, 2006
Collobrieres
Heute soll es eine geruhsame Tour zum Eingewöhnen geben. Wir starten die beiden Twins und fahren zunächst runter nach Grimaud und von dort weiter nach Collobrieres. Die Fahrt geht auf kurvigem Sträßchen durch wunderschöne Landschaft. Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt die Chartreuse de la Verne, ein aufgelassenes Kloster.Von Collobrieres aus wollen wir über eine winzige Straße direkt zur Chapelle Ste. Anne. Die Straße geht jedoch nach einigen Kilometern in ein gesperrtes Schottersträßchen über, sodaß wir die D39 nehmen, von der man über eine Kammstraße ebenfalls die Pilgerkirche erreichen kann.
Wir überqueren die Berge nach Norden und fahren die D75 vorbei an Les Mayons. Die Landschaft ist hier parkähnlich. Unter den großen Schirmpinien gibt es kein Unterholz. Die Straße ist in hervorragendem Zustand. Man kann die Twins fliegen lassen. Den Anstieg nach La Garde Freinet erwischen wir bei ungewöhnlich geringem Verkehr und zischen die Serpentinen hinauf. Am Ende sind wir ganz besoffen von der Kurverei.
Samstag, Mai 13, 2006
Samstag
Wir besichtigen die Dorfkirche, in der gerade eine Taufe stattgefunden hat. Die Festgesellschaft ist noch auf dem Platz vor der Kirche versammelt. Das Dorf ist voller idyllischer Szenen und die Gärten und Straßenränder lassen wunderschöne Blumen entdecken.
Sonntag, Mai 14, 2006
Traditionen
Später finde ich heraus, vohin die Prozession ging. Dort wird eine Messe abgehalten. Die meisten Teilnehmer sind allerdings per Auto dorthin gefahren. Ich bin froh, dass ich zwar feige, aber immerhin rückenschonend, mich an der Tragerei nicht beteiligt habe.
Wir starten die Twins und fahren nach La Garde Freinet, wo heute die Fete de la Transhumance angekündigt ist. Im Ort ist schon ein spürbarer Menschenauflauf aber sonst nichts auszumachen. Wir parken vor dem Ort und machen uns zu Fuß auf, mehr herauszufinden. Als wir schon fast aufgeben wollen, finden wir in einer Kurve, wo bereits eine Menge Volk versammelt ist, ein Programm. Und da geht es auch schon los: eine Musiktruppe spielt mittelalterlich mit Flöte, Trommel und Drehleier auf. Dahinter folgt eine riesige Schafherde, die mitten durch die Stadt getrieben wird. Am Ende ziehen noch ein paar Pferde und Mulis mit.
Wir fahren nach Ste.Maxime. Dort angekommen hören wir gleich einen Spielmannszug. Die Musiker in Matrosenuniformen ziehen durch die Altstadtgassen und kommen schließlich vor einer Art Wachhäuschen zum stehen. Dort wird allerlei Honoratioren, die nach und nach aus dem Häuschen heraustreten, ein Ständchen gebracht. Am Ende gibt es auch noch ein Ständchen für die, den Zug sichernde, Polizei (la police municipale) und eine offenbar allseits beliebte junge Dame.
Wir schlendern noch über den Markt und finden den Gemäldehändler, den wir bereits aus St. Tropez kennen. Wir entschliessen uns spontan für weitere Einkäufe.
Bei der Fahrt am Meer entlang war uns bereits aufgefallen, dass vor St. Tropez drei Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Daher fahren wir am nachmittag noch dorthin, um uns den Rummel etwas näher anzusehen. Letztlich ist die Stadt aber auch nicht voller als sonst und wir machen nur den üblichen Bummel im Hafen und bewundern die Yachten. Auf dem Meer sind einige schöne Segelboote mit Latinersegeln unterwegs. Der große Kreuzfahrer wird auch noch von einem Hubschrauber aus gefilmt. Einige Matrosen scheinen Ausgang zu haben und sitzen im Schatten und lassen die bunte Mischung von "chic'n" Leuten und teuren Autos vorbei passieren. In einer Ecke des Hafen stellen etliche Künstler ihre Werke zum Verkauf. Wir können uns aber angesichts der Preise nicht entschliessen.
Die lokalen Zimmerleute haben eine Austellung zur Erläuterung des Bootsbaus aufgebaut. Nach all dem Trubel sind wir froh mit der Twin am Stau vorbei schnell wieder aus der Stadt heraus kommen zu können.
Montag, Mai 15, 2006
La Fete a Ste.Maxime
Am Nachmittag treibe ich die Twin wieder über einige kleine Strassen und Pisten in der Nähe. Mein erstes Ziel ist die Ruine der Blei- und Silbermine am Vaucron. Diese ist leicht von der D72 aus zu erreichen. Von der ursprünglich größeren Unternehmung ist nicht mehr viel erhalten. Ein paar Fundamente und einige Stützmauern sind zu erkennen. Der Schacht selbst, der wohl 5-10 m Durchmesser gehabt haben muss, ist mit einem dicken Betondeckel verschlossen.
Der Bergbau war hier nur im 18. Jh. lohnend. Mein Versuch den Vaucron auf dieser Seite hinaufzufahren, um weitere Spuren des Bergbaus zu finden, endet an einem verlassenen Gehöft ergebnislos. Ich kann nicht erkennen, wo sich der Weg fortsetzt. Auch der alte Traktor, der bereits fast vollständig von Pflanzen überwuchert ist, gibt mir keinen Hinweis.
Zurück auf der D72 folge ich dieser nach Vidauban. Unterwegs gibt es noch die Ruinen einer wassergetriebenen Schleiferei.
Von der N7 folge ich den Hinweisen auf den Site megalitique du Tessier, die mich auf die bereits befahrene Piste du Pommiers bringen. Hat man auf dieser Piste lange Zeit keinen Hinweis gefunden und will schon fast aufgeben, so kommt man an einen Kreuzungspunkt. Rechts geht die Piste des Grand Pere ab. Geradeaus geht es auf den Hügel Tessier. Ein weiterer Hinweis auf die megalithische Grabstätte zeigt aber nach links, der Piste du Pommiers folgend. Die Freude ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn ab hier findet sich keinerlei Hinweis mehr. Der mythische Ort bleibt ungefunden. Wenn ihn jemand findet, so möge er mir bitte die Koordinaten schicken, damit ich ihn nicht noch einmal verfehle.
Dienstag, Mai 16, 2006
La Bravade a St.Tropez
Ein rechtsgelenkter Fiat 500, der zum Roadster umgebaut ist, verdient Aufmerksamkeit, ebenso wie ein schönes Ford Mustang Cabrio.
In der Nähe des Hotel de Ville hört man Trommeln und Flöten. Eine Truppe, die in Köln auch als Funken rot-blau auftreten könnten, marschiert auf und widmet sich aber dann doch lieber intensiv den Snacks, die vor einem Restaurant ausgelegt sind.
Am Hafen kaufen wir einem Maler ein kleines Ölbild und ein Aquarell ab. Es scheint heute sein erster Verkauf zu sein, denn er läßt mit sich handeln. Da sich weiter nichts regt, kaufen wir uns ein Stück Loup de Mer fürs Mittagessen und bringen ersteinmal die Kunst heim.
Nach dem supergelungenen Mittagessen, für das ich den angebratenen Fisch in Pastis flambiert habe, fahren wir nocheinmal rüber nach St. Tropez, wo mittlerweile die Fete in vollem Gange ist. Man hört das Böllern schon von weitem. Verschiedene Truppen sind aufmarschiert (die Funken und die Matrosen), und ziehen auf der Hafenpromenade auf und ab. Dazwischen Geistliche und rot kostümierte Träger mit der Statue des Hl. Torpes (oder St. Tropez). Immer wieder hält der Tross an und es werden Böller abgeschossen. Nach einer Weile werden die Absperrungen geöffnet und die verschiedenen Truppen ziehen auf unterschiedlichen Wegen durch die Altstadt, wobei immer wieder angehalten wird, um Salut zu schiessen. wir beschliessen, die ohrenbetäubende Szenerie zu verlassen.
Mittwoch, Mai 17, 2006
Hoch hinaus
Nach dem felsig ausgewaschenen Anstieg bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die Bucht von St.Tropez aus ca. 200 m Höhe. Inzwischen bin ich wohl auf einer Piste, die sich Suane nennt. Ich meine, die Strecke wiederzuerkennen. Tatsächlich erreiche ich eine Kreuzung, die ich früher einmal mit dem Rad von Les Mures aus angefahren hab.
Die nächste Etape ist eine Verbindung von der D44 zur D75, die in der IGN Karte als GR9 gekennzeichnet ist. Es ist eine breit ausgebaute gut gepflegte Schotterstraße, die ohne große Steigungen verläuft. Man kann sie flott fahren, allerdings ist auf solchen Strecken auch der Gegenverkehr flott unterwegs, das ist dann oft ein Pick-Up mit furchterregenden Bullbars oder ein Traktor mit breitem Gerät. Hinter dem Abzeig nach Grimaud, der inzwischen gesperrt ist, ist die Strecke seit diesem Jahr asphaltiert. Da sie aber nur einspurig ist, ist vorsichtige Fahrweise wichtig. Von La Garde Freinet aus fahre ich ohne Umwege nach Les Mayons. Von dort gibt es eine ungepflegte asphaltierte Strecke ins Massiv des Maures, die sich Cros Mouton nennt. Die Strecke folgt zunächst einem kühlen Bachtal, um dann sehr felsig bis auf den Kammweg anzusteigen. Oben angekommen steht man vor der Situation, dass alle abgehenden Wege gesperrt sind. Wer dies nicht riskieren will, kehrt vorher um.
Donnerstag, Mai 18, 2006
Auf grosser Tour
Das Wetter ist leicht bezogen und daher ideal für eine lange Motorradtour, wo man gern allzu große Hitze vermeidet. Wir machen uns früh auf nach Ste. Maxime und versorgen die Twins mit frischem Sprit.
Das Navigationsystem leitet uns flott über die Hügel und Villenviertel von Ste.Maxime nach La Nartelle, wo wir die Küstenstraße erreichen. Wir folgen der N98 nur bis St.Peire, um dann den Col de Bougnon hinauf zu schwingen und hinein nach Frejus.
Dort fahren wir zunächst an den Befestigungsmauern des römischen Hafenbeckens entlang (Butte St. Antoine) und besichtigen die römische Mole (Lanterne d'Auguste), die heute trocken inmitten der Stadt liegt. Weitere Spuren der Römer sind ein gemauerter Bogen der Thermen (Porte d'Oree) und das Theater und das Aquädukt. Teile des Aquädukts lassen sich über viele Kilometer bei der Fahrt auf der Via Aurelia (heute N7) entdecken. Nordöstlich von La Tour de Mare, ist die Via Aurelia nur noch ein zugewachsener Feldweg, wiederum etwas weiter läßt sie sich jedoch (nur tagsüber) als asphaltierter Forstweg (Route d'Italie) auch heute noch befahren.
Zurück auf der N7 erreichen wir bei La Napoule wieder das Meer und fahren auf der Küstenstraße Richtung Cannes.
Dort findet gerade das Filmfestival statt. Dieses Jahr gibt es einen Spezialpavillion für den Film "The da Vinci Code". Ich fand das Buch schon schlecht, was wird Hollywood wohl aus diesem schlampig zusammengewürfelten Stoff gemacht haben? Ich glaube nicht, daß ich mir den Film ansehen möchte.
Das Filmfestival hat leider Auswirkungen auf den Verkehr. Die sonst 4-spurige Promenade ist auf 2 Spuren geschrumpft und wegen einer improvisierten Mittelabsperrung können wir uns auch nicht überall vorbei schlängeln. Wir stecken im Stau fest. Die Lüfter der Twins versuchen heulend den Kühlern etwas Luft zu verschaffen. Ich leide unter Hitzestau, während Carin interessiert die Kameraleute und das bunte Volk um uns herum betrachtet.
Über Cagnes erreichen wir St.Paul. Man sieht die Stadt schon von weitem auf einem Hügel. Die von einer Festungsmauer umgebene Stadt ist Fußgängerzone, und so parken wir die Twins auf einem Motorradparkplatz in einer steilen Straße direkt vor dem Hauptzugang. In St.Paul gibt es jede Menge Galerien und zu unserer Überraschung entdecken wir das Atelier von Leo und Tron. Natürlich gehen wir hinein um weitere Werke von Tron zu sehen. Die Preise scheinen etwas günstiger, vor allem aber werden hier kleinformatige, und damit günstigere Bilder präsentiert. Beim Mittagessen diskutiern wir, ob wir Geld in ein Gemälde investieren sollten. Letztendlich können wir uns aber nicht durchringen. Meine Entscheidung wird nicht zuletzt auch dadurch beeinflußt, daß ich den Eindruck habe, daß Jean Claude Tron sein offensichtlich beliebtestes Sudjet, rote Felder mit blauen Olivenbäumen, reichlich oft in Variationen wieder produziert.
Bei der anschliessenden Weiterfahrt muß ich in Vence eine Vollbremsung hinlegen. Zudem ist die Verkehrführung so vertrackt, daß ich die geplante Route verpasse. Wir verpassen so leider auch eine mögliche Besichtigung der von Matisse gestalteten Kapelle. Na ja, es muss ja auch noch einen Grund für weitere Besuche der Gegend geben...
Über St. Vallier geht es nach St. Cezaire. Das Wetter wird inzwischen sonnig heiß und die Kehren immer enger. Über eine abenteuerliche Straße geht es weiter nach Mons. Viele Serpentinen später kommen wir über Seillans nach Bargemon. Viele der Steilhänge sind mit Villen und Gärten bebaut, dazwischen gibt es immer wieder Abschnitte im Wald oder dicht am Fels entlang. Ein Fest fürs Auge und jede Menge Kurven für die Twins.
Inzwischen läßt die Konzentration langsam nach und wir sind froh, flott in die Ebene nach Le Muy zu kommen und von dort zurück ins Quartier.
Freitag, Mai 19, 2006
Ruhetag
Wir haben frische Rougetfilets erworben und kochen mal wieder eines unserer "Essen wie Schorsch in Frankreich"-Menüs. Die Fische kurz angebraten und mit Pastis flambiert, dazu Pellkartoffel und grünen Spargel. Als Wein haben wir einen Picpoul de Pinet vorgekühlt. Anschliessend gibt es noch Tarte au Pommes von lokalen Bäckermeister.
Am Abend machen wir noch einen Spaziergang um Plan de la Tour bei dem sich wieder einmal reichlich idyllische Fotomotive anbieten.
Samstag, Mai 20, 2006
Markt in St.Tropez
Wir treffen auch wieder den Maler Arno, bei dem wir bereits ein Ölbild erstanden haben, und kommen ins Gespräch. Wir erzählen ihm, dass uns das Bild von ihm immer besser gefällt, je länger wir es in unserer Wohnung haben und betrachten, und dass wir gern noch etwas ähnliches hätten. Er schickt seine Frau, die gerade vom Markt kommt, ein entsprechendes Werk aus seinem Wagen zu holen, der irgentwoanders geparkt ist. Nach einer ganzen Weile kommt sie mit einem Bild von Ramatuelle zurück. Wir entschliessen uns nach einiger Überlegung zum Kauf.
Der Transport des Bildes erweist sich als etwas schwierig, da es nicht in den Koffer der Twin paßt, und da inzwischen heftiger Mistral weht, so daß ich vorsichtig fahren muß, damit es Carin nicht vom Soziussitz fegt.
Da wir nun schon einmal wegen des Bildertransports daheim sind, kochen wir zunächst und fahren dann noch einmal, um Einkäufe zu erledigen, nach Port Grimaud in den Supermarkt.
Abends marinieren wir noch Rindfleisch, welches wir übermorgen in einen provencalischen Schmortopf verwandeln wollen, sozusagen unser Versuch in regionaler Küche. Mal sehen, wie es wird.
Sonntag, Mai 21, 2006
La Garde Freinet
Von dort geht man durch eine Senke, um anschließend zum Fort hinauf zu steigen. Der genaue Ursprung des Fort ist mythenumwoben. Archäologisch gesichert ist, dass hier im frühen Mittelalter eine Siedlung, der Vorläufer des heutigen Garde Freinet, genannt castrum freixanet, war. Die noch erkennbaren Befestigungen dieser Siedlung, besonders ein aus dem Fels geschnittener Graben, der auch heute noch z. T. mit Wasser gefüllt ist, sind überaus eindrucksvoll. Hinzu kommt noch die extreme Gipfellage mit Aussicht bis an die Alpen. Die Siedlung wurde dann von ihren Bewohnern verlassen, die das heutige Dorf auf dem Paß zwischen Grimaud und Le Luc gründeten.
Nach der durchaus anstrengenden Wanderung wollen wir schnell an die eigenen Kochtöpfe. Wir geraten allerdings mitten in ein Radrennen, so daß wir sehr vorsichtig fahren müssen.
Anzumerken ist wohl, daß unser Filet Mignon mit Capellinis in Sauce mit Zitronenschale auch ohne den Hunger durch die Wanderung hervorragend geschmeckt hätte.
Nach entsprechender Ruhepause und einem Kaffee mit Erdbeertorte, machen wir noch eine kleine Wanderung im Ort. Mit der IGN-Karte in der Hand versuchen wir eine dort eingezeichnete römische (romanische?) Brücke zu finden. Wie lange wir auch in den Weinfeldern herumkrauchen, wir finden einfach keinen Zugang zu dem Tal des kleinen Baches, den die Brücke überquert. Alles ist mit Gestrüpp oder Schilf derart dicht zugewachsen, dass man auch nicht den kleinsten Hinweis auf die Brücke finden kann. Wir kehren unverrichteter Dinge zurück. Dort werte ich die Aufzeichnungen des GPS aus und wie ich schon vermutet hatte, war ich keine 10 m von dem in der Karte angegebenen Standort der Brücke entfernt.
Montag, Mai 22, 2006
Citadelle
Anschliessend erklimmen wir den Berg hinauf zur Citadelle. Bereits unterwegs kann man den Ausblick über die Stadt und den Hafen geniessen. Vor dem Hafen liegt ein 5-mastiges modernes Kreuzfahrtsegelschiff vor Anker. Der Rundgang durch die Citadelle ist schön, am eindrucksvollsten ist jedoch die Aussicht von dort. Eine Reihe von Pfauen haben wohl hier ihr Quartier. Einige sitzen in den Bäumen, einer posiert aber wunderbar vor unserer Kamera.
Von der D75 aus finde ich einen Doppelabzweig. Einer ist bis 8 Tonnen frei, der andere bis 15 Tonnen. Ich entscheide mich für die 8 Tonnen Seite. Es geht zunächst auf Asphalt zwischen vielen Villen durch später auf Schotter steil bergab, immer zwischen schönen Wohnhäusern. Wer hier wohnt braucht Allrad. Nach einer Schleife komme ich von der 15 Tonneseite her wieder an den Ausgangspunkt. Anders herum wär es mit der schweren Africa Twin wohl schon etwas akrobatisch.
Ach ja, das Schmorfleisch war fantastisch.
Dienstag, Mai 23, 2006
Petriache
Dann also doch über den Berg zum einkaufen. Ich übernehme die Navigation und wir schleichen uns von hinten an das Geant an. Nur ein kurzer Stau, den wir noch zum Weineinkaufen im "Petit Village" unterbrechen. Zum Mittag wird es frischen Fisch geben.
Mittwoch, Mai 24, 2006
Cogolin
Der Markt ist anders als in den touristisch geprägten Küstenorten. Man findet andere Händler und Waren, mehr Araber. Es gibt auch wieder einen Stand mit Gemälden. Obwohl ein paar sehr schöne dabei sind, will ich mein Budget nicht weiter belasten.
Wir machen noch einen Stadtbummel und trinken einen Kaffee in der Bar im Hotel Coq. Auf der Rückfahrt kommen wir an einem Flohmarkt vorbei. Wir bummeln drüber und bestaunen den alten Trödel.
Am Abend fahren wir eine Runde über Ste.Maxime, am Meer entlang nach Ramatuelle, weiter nach Croix Valmer, Cavalaire und Rayol. Über den engen Col du Canadel geht es zurück. Eine Runde mit viel Wald, herrlichen Fernsichten auf die Inseln vor Hyeres und vielen Kurven.
Donnerstag, Mai 25, 2006
Plan de la Tour
Die Entdeckung des Tages ist ein echter italiänischer Pastastand, wo wir mit Riccota und Zitrone gefüllte Teigtaschen kaufen und ein Stück sehr guten Parmesan, das ganze für Otte e Venti. Die Pasta gibt es gleich mittags zusammen mit Steak und Tomatensalat mit viel Basilikum, ein Traum!
Die große Eidechse, die wir am Beginn des Urlaubs oft beobachtet haben, hatte sich einige Tage nicht sehen lassen. Nun ist sie wieder da.
Den Abend geniessen wir mit Wein und Käse und knipsen noch ein paar Rollerfahrer, die in dem Stück Brachland vor unserer Terasse täglich rumprotzen. Die Sonne senkt sich. Ein paar Dutzend Schwalben ziehen ihre Kreise, wie jeden Abend. Sobald die Talsohle in den Schatten der Berge kommt, beginnen auch kleine Fledermäuse ihre Jagd.
Ein schöner Abend! Morgen werden wir packen müssen.
Freitag, Mai 26, 2006
Verladen
Zwischendrin bleibt noch Zeit einige Rollerakrobaten zu knipsen und einen Eichelhäher im Flug abzulichten.
Im Dorf sind die Vorbereitungen für die Rally morgen bereits im Gange.
Samstag, Mai 27, 2006
Rückfahrt
Das Auschecken verläuft problemlos. Hinter dem Haus treffen sich die Transporter und laden die Rallyfahrzeuge von den Trailern. Schade, dass wir diesen Event nicht miterleben können.Halb zehn sind wir bereits unterwegs. Staufrei und bei bestem Wetter geht es mit hoher Geschwindigkeit über die französische Autobahn. Mit dem flotten vorankommen ist es natürlich vorbei, sobald man nach Deutschland hineinkommt: Dauerüberholverbot für Gespanne auf der A5! und Baustellen. Deutsche Verkehrspolitik kann einen nur zornig machen.
Ab Franfurt regnet es in Strömen. Der Alltag hat uns wieder.